Die neue (Typo-)Epidemie: Ligaturen an den Wortfugen
23. November 2009 – 02:18Die automatische Verwendung von Ligaturen ist in den gängigen DTP-Programmen, dank OpenType, eine Frage des Häkchen-Setzens geworden. Demzufolge gibt es neuerdings kaum ein Druckwerk, das ohne dieses “coole Feature” auskommt.
Der Haken an der Sache mit dem Häkchen liegt aber in der deutschen Rechtschreibung. Denn sie bestimmt, kurz gesagt, dass keine Ligaturen an den Wortfugen gesetzt werden dürfen. Während der TeX-Quelltext Listen- (rmligs) oder Silben-basiert (ligatex) bereinigt werden kann, scheint die Ligaturentrennung für InDesign & Co. (hier und hier) eine ziemlich aufwändige Gelegenheit zu sein. Und so breitet sich die Cool-Feature-Plage mit den Wortfugenligaturen in gigantischen Ausmaßen aus. Keinen Verlagshersteller und keinen Lektor scheint diese Art des Analphabetentums zu stören, nein schon “Auflage” im Impressum wird mit der falschen Ligatur gesetzt.
Fazit: InDesign & Co. sind für den deutschsprachige Werk- und Mengensatz ungeeignet!
PS Ich lese zur Zeit ein Taschenbuch, das in Minion mit Ligaturen an den Wortfugen gesetzt ist. Immerwieder stolpere ich an die häufig vorkommenden “Dorfleute” und “auffinden”, und wäre es nicht wie immer die grandiöse Erzählung Appelfelds, hätte ich das Buch längst beiseite gelegt.
PPS Da im Deutschen beliebig zusamengesetzte Wörter erschaffen werden können, ist es ratsam, die Ligaturen vor dem Endsatz zu überprüfen. Die Funktion “occur” von Emacs ist sehr hilfreich für den schnellen Überblick.
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